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"Prozess in Rom"

 

"Prozess in Rom" - oder wie man ein Heiliger wird.
ARD Dokumentation, 45 Min. BR
 
 
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Kurze Inhaltsangabe:

Anfangs bestimmte das Volk, wer für sie ein Heiliger war. Einige galten schon zu Lebzeiten als heilig, die meisten erhielten diesen Ehrentitel erst nach dem Tod. Vom 6. Jahrhundert an bedurfte es, wenn "Heilige zur Ehre der Altäre erhoben" wurden, der bischöflichen Genehmigung, die dann aus Anlaß der feierlichen Erhebung oder Überführung der Gebeine, die der Bischof persönlich oder ein von ihm beauftragter Abt zelebrierte, bestätigt wurde.
Bald schon war es nicht nur Frömmigkeit sondern auch wirtschaftliches Kalkül, die zu einem neuen Kult führte, denn ein Heiliger brachte viele Menschen und damit Geld in den Ort der Verehrung. Die Zahl der Heiligen wuchs, die Heiligenverehrung wurde somit oft entwertet. Daher verbot die Synode in Frankfurt am Main 794 die Anrufung neuer Heiliger. Kaiser Karl, der Große, erneuerte und verschärfte 805 dieses Verbot.
Vom 10. Jahrhundert an zogen die Päpste das Recht der Heiligsprechung an sich. Der erste offiziell von Rom Heiliggesprochene war Bischof Ulrich von Augsburg, heiliggesprochen durch Papst Johannes XV. in einer förmlichen und feierlichen Kanonisation am 31. Januar 993, zwanzig Jahre nach seinem Tod. War diese Heiligsprechung durch einen Papst noch die Ausnahme, so machte sie Papst Alexander III. von 1170 an zur Regel. Papst Gregor IX. wiederholte diese Forderung 1234 in einem Dekret. Da aber viele Bischöfe weiterhin kanonisierten, entstand die Unterscheidung zwischen "beatus", "selig", und "sanctus", "heilig": die bischöfliche Kanonisation bewertete man als "Seligsprechung", die päpstliche als "Heiligsprechung". Fortan wurden alle vom Papst kanonisierten Heiligen in ein amtliches Verzeichnis, das "Martyrologium Romanum", kurz "Kanon" genannt, eingetragen.
Papst Sixtus V. errichtete 1588 die Heilige Kongregation für Riten, die - neben den Fragen der Liturgie der Gottesdienste - die Verhandlungen über die Angelegenheiten der Heiligen zur Aufgabe hatte. Papst Urban VIII. verlangte in einem Breve von 1634 das alleinige Recht des Papstes, einer verstorbenen Person den Titel "Heilige(r)" oder "Selige(r)" zuzuteilen, außerdem setzte er die Regeln für die beiden Verfahren fest. Papst Clemens XII. ließ diese im Grundsatz noch heute gültigen Regeln in dem 1735 erschienenen vierbändigen Werk "De servorum Dei beatificatione et beatorum canonisatione" von Prospero Lambertini, dem späteren Papst Benedikt XIV., zusammenstellen und ausführlich kommentieren. Voraussetzung für eine Heiligsprechung ist danach, daß ihr eine Seligsprechung vorausgehen müsse. In einem Kanonisationsprozeß, der einem Gerichtsverfahren nachgebildet ist, findet eine langwierige Untersuchung statt. Voraussetzung ist, daß mindestens zwei Wunder auf die Fürbitte des Heiligzusprechenden bewirkt worden sind.
Papst Paul VI. teilte 1969 die Kongregation für Riten und schuf zwei Kongregationen: eine für die Fragen der Gottesdienste und die andere für die Angelegenheiten der Heiligen. Die "Kongregation für die Heiligsprechung" hat drei verschiedene Abteilungen: das Gerichtswesen, die Sektion für die Glaubensanwälte und die historisch-hagiografische, welche die Fortführung der von Papst Pius XI. 1930 gegründeten Historischen Sektion ist. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil wurde eine Reihe historisch nicht nachweisbarer legendärer Heiligen gestrichen. Im neuesten "Martyrologium Romanum" von 2001, das komplett ins Ökumenische Heiligenlexikon eingearbeitet ist, sind die heute gültigen Heiligen und Seligen verzeichnet.

 
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